Die Klangwiege ist ein Saiteninstrument, bei dem eine Person im Resonanzraum liegen kann und so die Schwingung der Saiten multisensorisch wahrnehmen kann. Es soll im Besonderen die Sinne ansprechen, die schon vorgeburtlich ausgebildet sind: Hören von Musik durch das Zupfen der Saiten, taktile Wahrnehmung (vibratorische Stimulation) über die Haut durch konstruktive Übertragung der Saiten-Schwingung auf den Holzkorpus des Instrumentes und Gleichgewichtssinn durch die gebogene, halbrund Konstruktion.

Die Person, die in der Klangwiege liegt wird von einem Therapeuten bedient  Er befindet sich außerhalb des Instrumentes und spielt von außen die Saiten und schaukelt die Klangwiege. Ähnlich einer Massage aktiviert er die sensorischen Nerven des Patienten, jedoch ohne ihn direkt zu berühren. Er spielt nur an den 2×18 Saiten, die sich rechts und links am Instrument befinden.  Die Saiten sind alle auf den gleichen Ton gestimmt, so dass ein ruhiges und harmonisches Klangbild erklingt.

Die Klangwiege wurde Anfang der 90-er Jahre von Caspar Harbeke nach einer Idee des Musiktherapeuten Eyolfur Melsted aus Island als musiktherapeutisches Klangmöbel entwickelt. Seitdem wird es weltweit in unterschiedlichen Kliniken und Praxen als Therapieinstrument angewendet. Das Instrument ist je nach Ausführung zwischen 1,30 – 1,95 m lang und besteht aus einer Halbschale aus Buchenholz (75 cm breit und 35 cm hoch).

Im Gesundheitszentrum Sokrates in der Schweiz (klinik-sokrates.ch) wird es bei Durchblutungsstörungen, bei Stoffwechselerkrankungen und als Schmerzlinderung als Therapeutikum eingesetzt. Das Setting sieht so aus, das die Klangwiege auf dem Tisch liegt und von außen vom Therapeuten gespielt werden kann. Der Patient liegt innen drin und kann das Erlebnis genießen und wahrnehmen. Er nimmt dadurch sein inneres körperliches Befinden wahr. Heutzutage ist der Mensch oft nach außen orientiert, es gibt viele bunte Sachen außen und man schaut gar nicht mehr nach innen, wie es mir geht und was mir hilft. Und anstatt sich selbst wahrzunehmen muss man den Arzt fragen, was mir fehlt.

Die Klangwiege hilft auch dabei, die Eigenwahrnehmung zu fördern. Ich spür in mich hinein, spüre wie es in der Schulter kitzelt und merke, dass die Schulter ganz verspannt ist. Neben der Selbstfürsorge die ich dabei gut kennenlernen kann, hilft auch die Klangübertragung. Verspannungen in der Muskulatur werden durch die Schwingungsübertragung der Saitenklänge auf natürliche Weise auch gelockert.

Es wurde Gesundheitszentrum Sokrates auch eine Studie bei Patienten mit chronischen Schmerzen in der Klangwiege gemacht, veröffentlicht in dem Buch: „Nichtmedikamentöse Schmerztherapie – Komplementäre Methoden in der Praxis“, Herausgeber: Univ.-Professor Dr. Günther Bernatzky, Springer Verlag Wien/NewYork 2007, ISBN 978-3-211-33548-2

Der Musiktherapeut Thomas Schröter führte in 2003-2004 diese Studie durch und hat dieses im Buchkapitel: „Die Klangwiege in der Musiktherapie bei Patienten mit chronischen Schmerzen“ dokumentiert.  Alle Patienten haben die Einzelbehandlung in der Klangwiege als entspannungsfördernd und schmerzlindernd beschrieben. Die Schmerzen wurden während der Behandlung regelrecht vergessen und die Zeit als sehr erholsam empfunden. Dieser Effekt hielt zum Teil für Stunden oder auch Tage an. Siehe auch: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-211-33548-2_17

Die Behandlung mit der Klangwiege wird in dem Bericht über die Studie ausführlich beschrieben. Interessant ist, dass der Musiktherapeut individuell auf die Patienten einging und Tonaufnahmen von dem Klangwiegenspiel gemacht wurden. Diese wurden dem Patienten als CD mitgegeben und er konnte diese sich täglich zuhause anhören.  

Die Klangwiege wird auch in der RehaDat als Hilfsmittel geführt: https://www.rehadat-hilfsmittel.de/de/produkte/?infobox=/infobox1.html&serviceCounter=1&wsdb=TEC&connectdb=hilfsmittel_detail&referenznr=M/17909&from=1&anzahl=20&detailCounter=7&suche=index.html?iso_nr=30+12*

Produktinformationen:

Beschreibung:

Die Klangwiege ist eine 2 cm starke Halbschale aus Buchen- und Birkenholz-furnieren.  Durchmesser 75 cm, Länge je nach Modell zwischen 130 und 195 cm. Sie ist vibroakustisches Therapieinstrument und wird bei der rezeptiven Musiktherapie angewendet. Die Halbschale ist so groß, das sich eine Person hineinlegen kann. An der Außenseite hat sie 2 x 18 Gitarrensaiten, die auf der einen Seite alle auf Ton A und auf der anderen in einer Quinte höher auf Ton E gestimmt sind. 2 Basssaiten an jeder Seite, jeweils eine Oktave tiefer, ermöglichen ein variableres Spielen. Damit die Stimmung lange hält sind an den Enden Stimmstöcke verleimt, in denen die Wirbel, die die Saiten spannen, eingeschraubt sind.

Durch das Anspielen und Zupfen der Saiten geraten diese in Schwingung und erklingen mit einem harmonischen, obertonreichen Klangspektrum. Die Saiten können einzeln oder auch alle gleichzeitig angespielt werden. Die Saitenschwingung wird auf den Korpus der Klangwiege und von dort auf den Innenraum der Halbschale übertragen. Die Schwingungen werden von der Innenliegenden Person im ganzen Körper wahrgenommen und als angenehmes Rieseln empfunden. Gleichzeitig kann die Klangwiege mit der darin liegenden Person gewiegt werden. Diese multisensorische Wahrnehmung wirkt sehr beruhigend und tiefenentspannend. Die Klangwiege findet Anwendung in der Musiktherapie, Bewegungstherapie, sensorischen Integrations-Therapie, Psychotherapie; in der Behindertenpädagogik, im Kindergarten und der Wahrnehmungsschulung.

Ausführungen:

Art.Nr:                 Länge:  Saiten:  Gewicht:             Größe:                                

KL130                    130 cm  2 x 18    23 kg                     76 x 34 x 130                                    

KL150                    150 cm  2 x 18    27 kg                     76 x 34 x 150                                     

KL180                    180 cm  2 x 18    36 kg                     76 x 34 x 180                                     

KL200                    195 cm  2 x 18    40 kg                     76 x 43 x 195                                     

Weiterentwicklung: Auf Wunsch der Therapeuten kann die Klangwiege auch unterschiedlich bestückt werden. Andere Stimmungen sind ebenso möglich wie zusätzliche Basssaiten oder insgesamt mehr Saiten. Durch Schlitze an den seitlichen Eschenleisten kann auch ein Gurtsystem zum Aufhängen der Klangwiege ermöglicht werden. Individuell angepasste Sitzeinsätze mit und ohne Schaukelkufen ermöglichen auch einen Umbau als Klangstuhl oder Klangschaukelstuhl. Farblasuren oder andere Holzarten auf den Außenseiten ermöglichen auch optische Veränderungen.